Das Archiv der Scham

17 Juni. 2021   16:00 –
03 Juli. 2021  20:00

Jeweils Dienstag bis Donnerstag, Photobastei (2.OG)

Künstler*Innen

Trixa Arnold und Ilja Komarov

5.- CHF Solibeitrag für allg. Ausstellungsticket

DAS ARCHIV DER SCHAM
Eine begehbare Installation für zwei Personen

Vielen Menschen wird aufgrund ihrer Hautfarbe oder ethnischen Zugehörigkeit mit Ablehnung, Verachtung, Angst und Diskriminierung begegnet. Viele schämen sich, wenn sie rassistisch behandelt werden. Wieder andere schämen, wenn sie Zeuge von Rassismus werden. Es soll sogar Menschen geben, die sich dafür schämen, weil sie rassistisch denken und handeln. So wird Rassismus erst recht zu einem Mittel der Macht und Unterdrückung, auch weil als Folge der Scham der Dialog über Rassismus erschwert wird.

Seit mehr als zwei Jahren sammeln wir in der Schweiz, in Pakistan und in Russland Erzählungen und Gedanken über die Scham. So ist eine reiche Sammlung entstanden, die editiert und verdichtet zu einer vielstimmigen Collage kollektiver Erinnerungen an die Scham verwoben ist. Für das Festival Farbenblind haben wir das Archiv erweitert um Erfahrungen mit der Scham im Kontext von Rassismus.

In der begehbaren Installation ARCHIV DER SCHAM kommen zwei Menschen in einem inszenierten Raum zusammen. Gemeinsam tauchen sie ein in die Erinnerungen und tauschen sich aus.

«Einen Sommer lang habe ich einen Freund. Er ist ziemlich dick. Wir gehen baden: Ich stehe im kalten Bach. Er ist zehn Meter weg von mir. Ich schaue ihn an und schäme mich, dass er so dick ist. Dann tauche ich ins kalte Wasser. Vor kurzem hat er mich über Facebook gefunden. Er schreibt: Hey, bist du das wirklich? Ich schreibe: Ja, das bin ich. Und habe diese Erinnerung im Kopf.»
«Mein Vater leidet seit einiger Zeit an krankhaftem Zittern. Ich begleite ihn zum Neurologen. Dort muss er ein paar Tests machen: Auf einem Bein stehen, auf einer Linie gehen, ein volles Glas Wasser halten. Er scheitert an diesen einfachen Aufgaben. Der Neurologe spricht ausschliesslich zu mir, über meinen Vater in der dritten Person, in einer Sprache, die mein Vater nicht versteht. Ich sage nichts.»

DAS ARCHIV DER SCHAM ist eine die sogenannte Episode C des Projektes SCHÄM DICH. Als Episode eins bezeichnen wir den Akt des Sammelns der Erzählungen. Episode zwei ist eine schlichte Performance, in der der Schauspieler Ilja Komarov die Geschichten mit dem Publikum teilen wird. Die Episode C ist als coronakonforme Version entstanden, weil wir das Bedürfnis hatten, auch während des Lockdowns eine Arbeit zu realisieren.

Kommen Sie alleine, und begegnen Sie einer unbekannten Person. Oder kommen Sie zu zweit, und tauschen Sie sich mit ihrer*m Bekannten aus. Die Installation ist unter Einhaltung der allgemeinen Hygiene- und Schutzmassnahmen für alle zugänglich, auch für Risikopatent*innen.

Einlass jede Stunde. Besuch nur auf Voranmeldung möglich.

TEAM
Trixa Arnold Idee, Konzept, Text, Regie
Ilja Komarov Spiel, Konzept, Text, Musik
Gabi Bernetta Produktionsleitung und Diffusion
Phil Hayes Auge von Aussen
Gabriela Stöckli Mitarbeit Texte
Silvia Buonvicini & Ausstattung, Visuelle Gestaltung, Website
Severin Hofmann
Marek Lamprecht Lichtdesign
Ramun Bernetta Webseite
Mira Rostin Assistenz Regie und Textarbeit

Produktion
Freies Musiktheater Zürich und Bernetta Theaterproduktionen

Koproduzent
Fabriktheater Rote Fabrik Zürich, Tojo Theater Bern, Kulturhaus Helferei Zürich

Internationale Kooperationspartner
Museum der verschwundenen Dörfer, Sep, Provinz Udmurtija, Russland, mit der Künstler*innengruppe Gorod Ustinov; Institute of Performing Arts, Lahore, Pakistan, gemeinsam mit Habib Ahmed Afsar und Imran Nafees Siddiqui« WORM, Kulturzentrum in Rotterdam, Niederlande; Contemporary Glory ContemporaryCash (CGCC), Künstler*innengruppe in Rotterdam, Niederlande; Ndaku Ya La Vie Est Belle, Künstler*innenhaus in Kinshasa, Republik Kongo

Bitte beachtet, dass ihr euch für das Archiv der Scham mindestens 1 Stunde Zeit nehmen solltet, um euch voll und ganz auf die Ausstellung einlassen zu können. Gebt daher ganz kurz eure Wunschzeit via Mail an Roger Nydegger durch via kontakt@rogernydegger.ch